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Psychotherapiezentrum für Essstörungen, PZE Bern 1. Allgemeine Angaben 1.1. Projektleitung Dr. med. Jürg Liechti (1948); Facharzt Psychiatrie & Psychotherapie Unterstützt durch das 1.2. Kennwörter Ambulantes Hilfeangebote für Menschen mit Essstörungen. Interdisziplinäre und schulenübergreifende Therapien (Systemtherapie, Verhaltenstherapie, Familientherapie). Weiterbildung für Berufsleute, Qualitätssicherung, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit. 1.3. Ausgangspunkt und Projektabsicht Seit über fünf Jahren betreiben wir am ZSB Bern eine Sprechstunde
für Menschen mit Essstörungen. Das interdisziplinäre und
schulenübergreifende Therapieangebot hat sich im Raum Bern und Umgebung
(bis in die Nachbarkantone) gut etabliert und die Nachfrage übersteigt
dabei das Angebot um ein Mehrfaches. Die Zuweisungen erfolgen vorwiegend
durch Kliniken, HausärztInnen und Selbstzuweisungen. Im Rahmen von Intensivkursen,
Workshops und Foren (teilweise zusammen mit der Psychiatrischen Universitätspoliklinik
Bern) wurden am ZSB Bern zudem Fachpersonen für das Spezialgebiet der
Essstörungen ausgebildet. Die Zeit ist reif, um ein eigenständiges
Projekt zu realisieren.
Sämtliche Angebote sollen dem heutigen Standard wissenschaftlicher Praxis angemessen und ständiger Evaluation unterstellt sein. Um die notwendigen Mittel zu beschaffen, wird eine Stiftung PZE Bern gegründet. Ziel ist es, ab 01.01.2007 den Betrieb aufzunehmen. Der Name der Stiftung ist noch offen und wird allenfalls durch einen/eine Stifter/in bestimmt. 2. Hintergrund 2.1. Aus den Medien Aus dem Vierten Schweizerischen Ernährungsbericht (BAG, 1998): Aus einem Bulletin (Lichtblick-Newsletter, 2003): 2.2. Essstörungen nehmen zu Werden Wünsche und Befürchtungen heutiger Jugendlicher erforscht, so ergibt sich in Bezug auf die zukünftige Entwicklung von Essstörungen in der Schweiz ein düsteres Bild. Die Jugendstudie ‚Swiss Multicenter Adolescent Survey on Health’, SMASH 2002 (Narring F. et al., 2003) berichtet über eine alarmierende Entwicklung in der Einstellung der Mädchen zu ihrem Körper, insbesondere zu ihrem Körpergewicht: 70% der Mädchen wollen abnehmen und 20% gestanden ein, dass ihre Wünsche und Befürchtungen ständig um dieses Thema kreist. Alarmierend ist nicht allein der hohe Prozentsatz, sondern auch die Tatsache, dass die Tendenz steigt: 1993 wollten noch 55% der Mädchen abnehmen. Die Botschaft lautet: Bist du schlank, so bist du jemand! Und sie erreicht vor allem Mädchen und junge Frauen. Angesichts der Tatsache, dass Diätverhalten einer der wichtigen Risikofaktoren für die Entstehung von Essstörungen darstellt, ist das Studienergebnis bedeutungsvoll. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass die Häufigkeit von Essstörungen zunimmt (Meermann, 1996), ausser jene der Magersucht (Milos et al., 2002). 2.3. Essstörungen haben keine Lobby In den Jahren 1999 bis 2003 sind in Deutschschweizer Medien 12'647 Artikel zu Drogensucht, 5403 Artikel zum Alkoholmissbrauch und praktisch ebenso viele zur Nikotinabhängigkeit erschienen. Zum Thema der Essstörungen waren es gerade 232 Artikel. Während in den eidgenössischen Räten in dieser Zeit zum Vergleich 173 Vorstösse zum Drogenproblem und 38 zum Alkoholmissbrauch gemacht wurden, erregten Essstörungen kein einziges Mal die Aufmerksamkeit unserer Volksvertreterinnen und Volksvertreter (Spinatsch, 2003). Mit andern Worten: Essstörungen haben keine Lobby. 2.4. Formen psychogener Essstörungen Die Gruppe der Essstörungen umfasst
In der Schweiz gibt es schätzungsweise 10’000 bis 50’000 Personen, die an einer psychogenen Essstörung leiden. Tendenz steigend. Essstörung rangieren auf Platz vier der häufigsten psychischen Störungen von jungen Frauen, nach Depressionen, substanzbedingten Süchten und bipolaren Krankheiten (Schweiger et al., 2003). Die Magersucht ist die gefährlichste Form und häufigste Todesursache in der Altersgruppe von Mädchen zwischen 15 und 24 Jahren (Kamber, 2005). Jüngste Studien bestätigen den dramatischen (Langzeit-) Verlauf und das hohe (9 bis 10fache!) Todesrisiko verglichen mit gesunden Gleichaltrigen (Fichter et al., 2006). Aber auch bei den andern Essstörungen ist der Langzeitverlauf von Leid, Risiken und hohen Gesundheitskosten begleitet. Psychogene Essstörungen gehören zu den schweren psychosomatischen Störungen mit unterschiedlicher und zum Teil schlechter Prognose. Bekannt sind einige Risikofaktoren, doch die Ursachen sind weitgehend ungeklärt. 2.5. Rasche, umfassende und effiziente Therapie Langzeitstudien weisen darauf hin: Die Prognose der Essstörungen ist statistisch umso günstiger, je früher sie diagnostiziert und behandelt werden (so genannte Sekundärprophylaxe: alle Massnahmen, die - im Gegensatz zur Primärprävention - nach dem Eintreten einer Krankheit getroffen werden und zum Ziel haben, die Krankheit möglichst früh zu erkennen und zu behandeln). Ein günstiger Langzeitverlauf ist praktisch immer abhängig von einer effizienten Psychotherapie, während die spontane Erholung bei einem voll ausgeprägten Krankheitsbild eher selten ist (Csef, 1999). In den vergangenen drei Jahrzehnten hat die wissenschaftliche Forschung und klinische Praxis gezeigt, dass die besten Therapieergebnisse mit interdisziplinären und schulenübergreifenden Behandlungsmodellen erreicht werden. Vor allem die Kombination von Systemorientierung (Fokus auf die Beziehungskomplexität), verhaltenstherapeutischer Methodik und Familientherapie zeigt erfahrungsgestützt (empirisch evident) gute Resultate (Liechti, 2006, 2007). Besonders junge Patientinnen unter 20 Jahren profitieren von einer familienorientierten Therapie (Russell et al., 1987; Eisler et al., 1997), während die Familienorientierung bei älteren Patientinnen die Therapiemotivation für Heilungsprozesse verbessert. Am besten eignen sich Behandlungsketten, wo ambulante und stationäre Hilfen ineinander greifen. Indes scheinen die ambulanten Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft zu sein. Ambulante Therapien zeigen vergleichbare Ergebnisse wie stationäre, sofern die Familie einbezogen wird. 2.6. Das Problem Spezifische Hilfsangebote für Menschen mit Essstörungen im Raum Bern sind von einem offensichtlichen Notstand geprägt:
2.7. Die Chancen des Projektes Im Rahmen einer Pilotstudie zur Messung der Therapiequalität, die vom Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung unterstützt wird (Bewilligungsbescheid des Schweizerischen Nationalfonds Nr. 6101-062901), kann die Wirksamkeit unseres schulenübergreifenden Therapiemodells am ZSB Bern gezeigt werden. Die vielen professionellen Erfahrungen, das spezifische Know-how sowie die beachtliche Zahl motivierter Fachleuten mit Erfahrungen im Umgang mit Essstörungen am ZSB Bern bilden die fachlichen Ressourcen für das Projekt. Zudem hat sich die Sprechstunde für Menschen mit Essstörungen sowie das ambulante Hilfsangebot gut etabliert. Der Vernetzungsgrad mit ZuweiserInnen und Institutionen über die Kantonsgrenze hinaus hat sich in den vergangenen Jahren vergrössert. Das Projekt PZE Bern richtet sich fachlich nach folgenden Gesichtspunkten:
3. Realisierung des Projektes 3.1. Personelles
Bereits im Rahmen der Sprechstunde Essstörungen am ZSB Bern tätig:
Neu zu rekrutieren:
3.2. Ablauf Stiftungsgründung
3.3. Miete/Erwerb Liegenschaft
4. Allgemeines 4.1. Finanzen Die finanziellen Risiken des Projektes sind wegen der günstigen Marktbedingungen und teilweise gesicherter Finanzierung (kassenpflichtige Leistungen) gut kalkulierbar. Fortbildungen steuern Eigenmittel bei. Fremdmittel werden v.a. gebraucht für:
Insgesamt betragen die fehlenden Mittel für die Aufbauphase ca.
Fr. 120'000.-. 4.2. Unterstützungskomitee Ein Unterstützungskomitee, bestehend aus Persönlichkeiten der Bereiche Gesundheit, Wissenschaft, Politik, Kultur, Sport und Wirtschaft, soll für die Wichtigkeit des Anliegens stehen. Eingetragen haben sich unterdessen bereits:
Wer steilen Berg erklimmt, Shakespeare, König Heinrich VIII. I, 1 Alle Literaturangaben sind bei der Projektleitung erhältlich (info@zsb-bern.ch). Projektteam PZE Bern / 2009 |