Im Alltagsverständnis werden psychische Probleme häufig mit Belastungen in der Kindheit in Verbindung gebracht. Die wissenschaftliche Evidenz dazu ist heute eindeutig.
Trotzdem gelten „Bindungsstörungen“ in der klinischen Praxis noch immer als seltene Diagnosen, die erstmals in der ICD-10 aufgeführt wurden. In ICD-11 und DSM-5 werden sie den traumaassoziierten Störungen zugeordnet.
Bindungsstörungen sollen nur bis zum 5. Lebensjahr diagnostiziert werden; ihre Auswirkungen prägen jedoch die gesamte weitere psychische Entwicklung und bleiben lebenslang wirksam.
Damit werden Bindungsprobleme heute als zentrale Risikofaktoren für die Entstehung psychischer Störungen verstanden. Eine Perspektive die voraussetzt, dass die Frühkindheit als hochsensible, prägende und aktiv zu gestaltende Entwicklungsphase ernst genommen werden muss.
Das Seminar lädt ein, einen Schritt zurück zu treten und diagnostische Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen:
Wie wurden Kindheit, Bindung und frühe Beziehungserfahrungen historisch gedeutet und eingeordnet? Und wie prägen diese Interpretationen bis heute unseren diagnostischen und therapeutischen Umgang mit Bindungs – und Traumafolgestörungen?
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen schärft den therapeutischen Blick für frühe kindliche Belastungen und eröffnet neue praxisrelevante Sichtweisen für Behandlung und Diagnostik.
Im Seminar gehen wir diesen Fragen praxisnah nach; im Plenum, in Kleingruppen und anhand konkreter Übungen.
Dabei
Eine aktive Mitarbeit ist ausdrücklich herzlich willkommen und es können gerne eigene Fallbeispiele eingebracht werden!
Termin
6./7. November 2026
Zeit
9.15 – 12.30 / 13.45 – 17.00
Preis
CHF 450.-
Credits
Es werden 16 Credits bestätigt
Dozent
Prof. Dr. med. Alexander Trost, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin, systemischer Lehrtherapeut und Supervisor (DGSF), TZI-Lehrbeauftragter (RCI) und NLP-Master-Practitioner, MBT D-A-CH, ist in eigener Praxis als Supervisor, Dozent und Autor tätig.
Anmeldung
Anmeldeformular ausfüllen und mailen an
info@zsb-bern.ch
Die Platzzahl ist auf 25 Teilnehmende beschränkt.
Die Familienrekonstruktion ist eine «systemische Selbsterfahrung in der Gruppe» und eine diagnostische und therapeutische Methode, mittels welcher die eigenen familiären Prägungen, deren Wirkungen und Wechselwirkungen erkannt und räumlich-bildlich dargestellt werden können. Der Zugang zur eigenen Biografie ist Grundlage von Lebenszufriedenheit und für die Entwicklung einer professionellen Haltung sowie für die Sicherung der Qualität des eigenen therapeutischen Handelns von grosser Bedeutung. Die Gruppenselbsterfahrung startet 2–3-mal jährlich und findet in geschlossenen Gruppen (max. 12 Studierende) statt. Die Selbsterfahrungsleitung achtet auf einen wohlwollenden und für eine Selbstöffnung notwendigen sicherheitsspenden Beziehungsrahmen. Sie steht unter Schweigepflicht und hat keine weiteren Dozent:innenaufträge innerhalb der Weiterbildung. Für psychologische Psychotherapeut:innen ist die Teilnahme integraler Bestandteil der Psychotherapieweiterbildung und obligatorisch. Für angehende ärztliche Psychotherapeut:innen wird der Besuch der Familienrekonstruktion empfohlen.
Ausschreibung und Anmeldung
Im Vertiefungskurs wird einerseits theoretisches Wissen und Können aus der systemischen Therapiepraxis störungs- sowie themenspezifisch vertieft und eingeübt. Andererseits werden innerhalb der psychopathologischen oder psychiatrischen Spezialgebiete auch andere evidenzbasierte Therapieverfahren vermittelt. Die emotionsfokussierte Vorgehensweise wird gefestigt und auf unterschiedliche Settings (Einzel-, Paar- sowie Elternsetting) ausgeweitet. In der Mitte des Vertiefungskurses findet die Einführung in die Abschlussarbeit statt, die bis zum Abschlusskolloquium am Ende des Vertiefungskurses fertiggestellt werden muss. Während des Vertiefungskurses finden zwei Supervisionsblöcke in der Gruppe statt mit je wechselnden Gruppen-Supervisor:innen pro Block. Der Vertiefungskurs schliesst mit einem Abschlusskolloquium und einer mündlichen Prüfung ab.
Im Grundkurs werden Konzepte und Methoden der systemischen Therapiepraxis anhand von Einblicken in reale Therapiefälle der Dozierenden anwendungsbezogen vermittelt. Die systemische Grundhaltung und die Gespr.chsführung im Mehrpersonensetting wird geübt und u.a. anhand von Videosequenzen analysiert. Im Weiteren werden die therapeutischen Schwerpunkte der bindungsbasierten und emotionsfokussierten Therapie eingeführt und die ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Psychotherapie vermittelt. Separat eingegangen wird ausserdem auf die die relevanten Ergebnisse aus der Psychotherapieforschung und der Qualitätssicherung. Die Gruppen-Supervisionen starten im zweiten Drittel des Kurses. Der Grundkurs wird mit einem Abschlussseminar inklusive Kompetenzüberprüfung abgeschlossen.
Daten und Inhalte_GrK 15, AUSGEBUCHT
Daten und Inhalte_GrK 16, AUSGEBUCHT, es besteht eine Warteliste